Draußen angekommen traue ich meinen Augen nicht, es sind gute 12 Fuß Faces mit einer inside Bowl die richtig hohl bricht. Ein Longboarder pullt gerade tief in die Barrel. Zu tief, mit einem lauten Donnerschlag macht die Lip vor ihm zu und die Hälfte seines Brettes fliegt durch die Gegend. Laut fluchend schwimmt er zum Strand. Einige Leute grinsen hämisch, andere haben einen Gesichtsausdruck als wenn sie hofften er würde es schaffen. Ich bekomme in meinen ersten 2 Stunden nur schlechte Wellen, keiner sitzt auf seinem Brett herum, die 80 Leute im Wasser sind im ständigen Positionskampf miteinander. Einen Augenblick gezögert sitzt schon wieder einer tiefer beim Take-off. Country surfen wird langsam aber sicher ziemlich frustrierend. Auch meine Arme machen langsam schlapp. Endlich bekomme ich eine gute Welle, doch was dann passiert habe ich so noch nicht erlebt. Mein Kopf schält total ab, meine Wahrnehmung ist nur noch auf Gefühl gestellt. Ich Fühle wie ich einen Top-turn nach dem anderen mache, sehe aber die Welle nicht, lediglich meine Nose, wenn ich wieder zum bottom turn ansetze. Dann wieder das gleiche, alles verschwommen und nicht erkennbar, bis ich wieder am bottom der Welle ankomme. Schließlich bin ich am Ende der Welle angelangt und mit einem Schlag wird wieder alles deutlich...Leute starren mich merkwürdig an, ich habe keine Ahnung warum und was passiert ist, außer, dass ich diese Welle in absoluter Trance gesurft bin. Mein Geist war vollkommen leer. Vielleicht ist es das was man bei der Meditation sucht!? Was für ein Gefühl!
Der Swell ist klein, trifft gerade erst auf die Küste und wächst mit jeder Minute weiter an. Ich parke am Ehukai Beach Park und laufe direkt rüber zu Pipeline. Es sind erst 8-10 Fuß faces und ein leichter Offshore streichelt über die Wellen. Beim Rauspaddeln denke ich noch mal an meine neue Taktik: bei der ersten großen Welle schwingst du herum und droppst rein, egal wie hohl, egal wie spät dein take-off, ob du ihn schaffst oder nicht spielt keine Rolle, denn nach dieser ersten Welle ist alles leichter.
Pipe Masters
Pipe Masters
Keine 5 Minuten im Wasser kommt meine Welle, ich bin inside und alle Augen sind auf mich gerichtet, ich stehe den Drop, keine Barrell dafür zwei anständige Snaps. Gar nicht so schwer denke ich mir...wie ich mich getäuscht habe!

Die nächste Welle gehe ich nicht nur over the falls, ich drope auch einem Bodyboarder rein und verpasse ihn in meinem Freiflug um wenige Zentimeter. Danach bin ich eine kleine Ewigkeit unter Wasser und warte auf den Impact mit dem Riff. Kein Krachen oder dumpfer Aufschlag, Gott hat wieder einmal den Dummen verschont. Ich habe noch nicht genug und will mich nun wirklich umbringen, paddle wieder raus, entschuldige mich bei dem Kollegen und versuche mein Glück erneut. Wenig später sieht man einen Surfer das Face halb hinuntersurfen, rail grabed in die Barrel. Ich erinnere mich noch genau wie die Lip von links gegen meinen Kopf donnerte und mich mit einem Bauchplatscher unter Wasser hämmerte. Gott verschonte noch einmal den -dieses mal – Saudummen. Ich war fertig mit Pipeline, oder besser gesagt Pipe mit mir! Wenige Tage später stirbt Malik auf tragische Art am gleichen Spot und ich führe mir noch mal vor Augen wie viel Glück ich selbst gehabt habe. Ich war die restliche Zeit nicht mehr Pipe surfen.
Eukai Sanbar
Eukai Sanbar
Heute ist es groß, 8-10 Hawaiian und Glassy. Wie schon im Intro geschrieben hatte Sam gerade eine Monster Welle bei Himalayas. Ich spiele das alte Katz und Maus spiel und paddelte in die Impact Zone wenn gerade kein Set kommt und hoffe auf eine „kleinere“ Welle. Ich bemerkte erst was für einen großen Fehler ich gemacht hatte, als sich diese dunkle Line am Horizont abbildete. Nun wird auch klar warum einige dieser Jungs 300 Meter weiter draußen sitzen als ich und ein paar andere.
Wie groß die Weißwasserwalze war kann ich nicht mehr sagen, ich warf lediglich mein Brett hinter mich und tauchte so tief ich konnte. Als ich nach 20 Sekunden immer noch mitgezogen wurde sagte ich mir: nur keine Panik alter Gaul das wird schon klappen. 40 Sekunden später kam ich wieder hoch, schnappte mein Brett und paddelte Richtung Channel.

Sam fragte mit einem Grinsen auf den Lippen ob ich vielleicht eine seiner Schwimmwesten kaufen möchte? No thanks! Ich war nun vorsichtiger und bekam auch eine kleinere Welle, aber deshalb bin ich hier nicht rausgepaddelt, ich wollte eine fette Emma. Nach guten 3 Stunden im Wasser spielte dann alles zusammen, der Kollege an der Outside versaute seinen Take off und die Inside formte sich zu einem schönen double up. Ich stand den drop und versuchte meine Line zu halten. Über mir braute sich etwas zusammen, ich versuchte noch ein wenig mehr speed zu pushen...raste die Welle entlang. Nichts zu machen, ich hatte eine falsche line gewählt und musste der herunterkommenden lip ausweichen. Der Impact hinter mir blies mich wie ein Wirbelsturm vom Brett. Meine Gliedmaßen wurden endlos in sämtliche Richtungen gezogen und unsichtbare Fäuste aus Wasser trommelten auf mich ein. Irgendwo im Channel wurde ich wieder ausgespuckt...genug Wasser geschluckt, war es Zeit seine sieben Sachen zu packen und Richtung festes Element zu paddeln.
Eine Mittelmeer - Kurzgeschichte
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Gerry Schlegel: Eisbachsurfer und Wellenschlitzer
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Gerry Schlegel ist einer der Multitalente in der Deutschen Surfszene. Er fühlt sich auf Flusswellen genauso wohl wie auf dem Meer, wobei es ihm egal ist wie groß oder klein die Welle ist, er versucht immer das Optimum aus den Bedingungen rauszuholen. ...mehr
Ari Giorginis, Surfcamppionier auf Bali
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Seit 1995 organisiert Ari Surftrips rund um Bali. Mittlerweile gehören die von ihm gegründeten Kima Surfcamps zu den bedeutendsten Surftravel Agenturen Europas. 2009 eröffnete er sein 3. Camp, das Green Room Hotel in Canggu auf Bali. ...mehr
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